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Throbbing Pain im Interview

Kernkraftritter Records fragten innerhalb kürzester Zeit Interviews für zwei Bands an, die anscheinend gut ins Raster passen: Sowohl Xicution als auch Throbbing Pain spielen Death Metal, brauchten viele Jahre, um ihre neuen Alben fertigzustellen und diese dauern auch beide nur knapp eine halbe Stunde. Das kann doch kein Zufall sein, haha! Normalerweise kontaktiere ich immer ein Original-Mitglied der Band, habe im Fall von Throbbing Pain aber versehendlich die Fragen auf Sänger Thomas Thede zugeschnitten, der erst 2012 zur Band stieß. Das macht aber nichts, denn auch mit ihm ist ein kurzer und bündiger, aber auch sehr unterhaltsamer Plausch bei herausgekommen.

 

Daniel: Hi Thomas! Bitte erzähl uns doch zunächst, wann und wie es zur Gründung von Throbbing Pain kam!

Thomas: Ich bin 2012 eingestiegen, Throbbing Pain existieren jedoch bereits seit 2008. Ich sah die Jungs das erste Mal an einem Konzertabend im Winter 2011/12 in Lübeck. Ein Kollege sagte: „Lass uns heute Abend mal ins Dr. Rock, da spielen Throbbing Pain“. Gesagt, getan. Es war ein feuchtfröhlicher Abend, und die Band war verdammt gut. Nur der Gesang war für mich nicht kein Death Metal. Wochen später sah ich ein Posting bei Facebook, dass Throbbing Pain einen neuen Sänger suchten. Ich schrieb die Jungs an und schickte dem noch damaligen Drummer, wie gewünscht, ein Beispiel meines Gesangs aus meinen vorherigen Bands. Ich bekam sehr schnell zwei oder drei Lieder, welche ich, wenn es geht, bestmöglich zum Vorträllern können sollte. Das war für mich kein Problem. Noch am selben Abend des Vorsingens wurden die Kelche gehoben, und ich war der neue Sänger der Band. Meine erste Amtshandlung bestand darin mir in drei Wochen zehn Songs drauf zu schaffen, denn auf uns wartete der erste gemeinsame Gig auf dem Mosh ’n‘ Roll in Ahrensburg. Es war ein voller Erfolg und der Rest ist Geschichte. 

Daniel: Hattet Ihr zuvor schon in anderen Bands gespielt?

Thomas: Ich hab vorher schon in zwei Death Metal-Bands gesungen: Eradicate und Violence Unleashed. Auch Alex und Hölk spielten vorher schon in Bands.

Daniel: Ihr habt als Groove-/Death-/Thrash Metal-Band angefangen, Euch aber hin zum Death Metal entwickelt. Welche Bands haben Euch beeinflusst? Und wie kommt es, dass sich der Sound im Laufe der Jahre derart geändert hat?

Thomas: Ich würde nicht sagen, dass wir uns stilistisch so stark verändert haben und es jetzt keine Thrash-Elemente mehr gibt. Die Entwicklung kam eher durch Entscheidungen wie Besetzungswechsel zustande sowie stetige Verbesserung, professionelleres Songwriting, neue Aufnahmetechniken und ein sukzessive Streben nach dem Optimum. Bewusste Einflüsse gibt es bei uns nicht. Die Kreativität, die wir in unseren Songs manifestieren, ist das pure Chaos, was aus fünf Menschen herausfließt und in tonnenschweres Todesblei gegossen wird.

Daniel: Worum geht es in Euren Texten? Geht es nur um die Erfüllung der klassischen alten Death Metal-Klischees, oder steckt mehr dahinter?

Thomas: Horror, Splatter und Gore sind bei uns dankbare Textinspirationen, in denen sich unser Sänger kreativ austoben kann. Das aktuelle Weltgeschehen, all das Elend auf der Welt, die Ungerechtigkeiten im großen wie im kleinen Stil sind für uns aber auch wichtige Themen. „Assworms“ zum Beispiel ist inspiriert von den Schandtaten der katholischen Kirche. Er ist unser persönlicher Klagegesang für Jahrtausende langen Mord, Missbrauch sowie die Unterdrückung der Armen und Schwachen im Deckmantel des Glaubens.

Daniel: Zwischen Eurem Debüt „Hang, Draw And Quarter“ und dem neuen Album „Rotten Doctrines“ liegen satte zehn Jahre! Dazwischen kam nur noch die EP „Grave New World“. Warum dauert bei Euch alles so lange?

Thomas: 3,33 Jahre Wartezeit im Durchschnitt klingt für mich nicht wirklich unüblich für einen waschechten norddeutschen Rohdiamanten, der noch von Hand geschliffen wird. Klasse statt Masse. Wir sind eine Death Metal-Band und kein Fastfood-Unternehmen. Unsere Devise ist und bleibt: „Der Weg ist das Ziel“, und „Rotten Doctrines“ musste wirklich ganz besonders steile und steinige Pfade gehen, aber es ist ein so fettes Brett geworden, und das ist es, was zählt.

Daniel: Wo habt Ihr aufgenommen, und wer hat produziert?

Thomas: Sowohl unser Drummer Hölk als auch unser Gitarrist Alex hatten sich schon früh für neue Aufnahmetechniken begeistert. Und durch die vielen Pandemie bedingten Einschränkungen hatten wir mit dem Home Recording und Reamping gute Möglichkeiten, unseren Horizont zu erweitern und die Entwicklung des Albums voranzutreiben. Produziert hat „Rotten Doctrines“ dann Heiko Domeier. Mit ihm hatten wir schon bei „Grave New World“ nur gute Erfahrungen gemacht. Er ist nicht nur ein guter Freund, sondern auch ein absoluter Profi und Mastermind im Bereich des Ton-Engineerings. Auch live hat er uns schon des Öfteren einen absoluten Abrisssound kreiert. Wir sind extrem zufrieden und dankbar für alles, was er im Laufe des Prozess für uns getan hat!

Daniel: Das Cover-Artwork sieht saugeil aus und erinnert mich an die guten alten Neunziger. Von wem stammt es? Und wie seid Ihr mit dem Künstler in Kontakt gekommen?

Thomas: Das Cover-Artwork wurde von Marc Niederhagemann von Art Wars Mediendesign entworfen. Manche kennen ihn auch aus seiner Band Lifeless. Ich habe Lifeless einmal in Lübeck für die Metal Nacht gebucht. Wir verstanden uns super, und man blieb in Kontakt und freundete sich an. Ich sah seine Arbeiten und sagte zu den Jungs: „Marc sollte unser nächstes Artwok machen.“ So kam es dann auch.

Daniel: Euer Artwork eignet sich perfekt für eine Vinyl-Veröffentlichung, wie ich finde. Gibt es schon irgendwelche Pläne dafür? Bislang gibt es „Rotten Doctrines“ ja nur auf CD und digital, was in der heutigen Zeit schon recht ungewöhnlich ist…

Thomas: Konkrete Pläne für eine Vinyl-Pressung gibt es noch nicht, allerdings schon einige Anfragen diesbezüglich. Mit einem Vorlauf von einem Jahr wird es wohl dieses Jahr auch nichts mehr werden. Wir konzentrieren uns derzeit noch auf das klassische Merchandise, wie Shirts und Patches, welches dann auch auf den Konzerten und über Bandcamp erhältlich ist – genau wie unsere neue CD.

Daniel: Euer neues Album ist das erste, das über eine Plattenfirma erscheint. Wie kam der Kontakt mit Kernkraftritter Records zustande?

Thomas: Ich habe ihn einfach angeschrieben, haha! Nun ja, da ich mit meinen ersten Bands bei einem Label war, wusste ich, dass das ein Gewinn sein kann. Ein Label kann einem sehr unter die Arme greifen, wenn es um den Ausbau von Reichweite und um den Vertrieb geht. Auch das ganze Socializing und die Werbung gehören in professionelle Hände. Ich schrieb mehrere Label an, und es waren auch mehrere interessiert, nur leider hatten wir schon gepresst, da wir es nicht abwarten konnten. Dies war für Kernkraftritter kein Problem, und wir haben einen Deal gemacht. Ob es wie erhofft Früchte trägt, wird man sehen.

 

Daniel: Habt Ihr – trotz derzeitigem Corona-Chaos – auch Live-Auftritte geplant?

Thomas: Wir hatten letztes Jahr Ende August auf dem Westerhorner Metalfest und Ende Oktober in Ahrensburg auf dem Unleash The Kraken einen Gig. Beide Veranstaltungen verliefen unter geltenden Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen vorbildlich. Wir haben nach zwei Jahren Pandemie mittlerweile so gute Werkzeuge an der Hand, die uns schützen! Es wird Zeit, dass wir als Gesellschaft der Kultur wieder Leben einhauchen. Wir sind offen für Live-Angebote und freuen uns auf den Sommer.

Daniel: Wie sehen generell so Eure Zukunftspläne mit Throbbing Pain aus?

Thomas: Songwriting, Songwriting, Songwriting… um die 3,33 Jahre durchschnittliche Wartezeit auf das nächste Throbbing Pain-Album zu unterbieten. Live spielen, gerne auch mal auf einem Festival oder zwei und die Fahne des Death Metals hoch halten!

Daniel: Na gut, Thomas! Das Schlusswort gehört Dir!

Thomas: Was soll man am Ende sagen? Auf jeden Fall danke für das Interview und die Zeit, die Du uns geschenkt hast! Und danke an alle Supporter und Fans! Wir hoffen, Euch bald wieder live beschallen zu können.

https://www.throbbing-pain.de/

https://www.facebook.com/Throbbing-Pain-165728323484590/

https://throbbing-pain.bandcamp.com/

Autor: Daniel Müller

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