kernkraftritter.info

Mortal Hatred Review

 

Moderne Abrissbirne auf Englisch und Deutsch.

Es ist schon beeindruckend, mit welcher Professionalität heutzutage viele Eigenproduktionen daherkommen. MORTAL HATRED aus dem Kreuztal ist so ein Beispiel. Das zweite Album „Odyssey“ kommt als schickes 2CD-Digipack um die Ecke, die dicke Produktion aus dem Hause Tobe Soundstudios entspricht allen modernen Standards und die technischen Fähigkeiten des Quintetts sind aus dem obersten Regal. Gute Voraussetzungen also für die nächsten 65 Minuten.

Die Musik ist eine Kreuzung aus IN FLAMES und WHITECHAPEL, wobei die Jungs konsequent auf Klargesang verzichten. Das Tempo wird zwar durchaus variiert, aber im Grunde regiert der Vorschlaghammer – hier peitschen die Blastbeats und die Singlenotes fräsen sich unaufhaltsam in die Gehörwindungen. Trotzdem gibt es gelegentlich ordentliche Grooves, schöne Melodic-Death-Passagen und auch überraschende Breakdowns. Das ist nichts, was ich mir wirklich zum Frühstück oder im Büro anhören würde, macht aber in seiner Brutalität und Kompromisslosigkeit sehr viel Spaß (‚Mortal Hatred‘, ‚Traditional Godzilla Violence‘, ‚A Best Friends Funeral‘). Die beiden Gitarristen Christian Setzer und Matthias Markwart verzichten derweil komplett auf Soli, riffen dafür lieber konstant tief und schwer. Schlagzeuger Kai Stähler ist ein Tier, rudert und groovt viel und lässt seine Füße Stakkato tanzen (‚Generation Omega‘). Schreihals Frederik Wallerus macht ebenfalls eine gute Figur, wechselt häufiger mal zwischen sehr gutem, gutturalem und ausbaufähigem, kehligem Gebrüll (Mille). Ich weiß, das ist auch eine Form von notwendiger Abwechslung, aber mir persönlich würde seine Thrashstimme reichen. Ganz schenken kann er sich dagegen das ganz tiefe Death-Metal-Geröchel (Chris Barnes), das für mich gar keinen Nährwert hat und auch keine weitere, interessante Klangfarbe mit ins Spiel bringt. In ‚Raindancer‘ packt Gastsänger Rainer Nygard (DIABLO) seine Singstimme aus, die eine neue Facette im Sound der Band zeigt und gerne öfter zum Einsatz kommen darf. Überrascht war ich auch, dass die Band ab und an für ganze Songs von englischer auf deutsche Sprache wechselt und bei der Muttersprache sogar ein erheblich gutes Bild abgibt – da bin ich wirklich großer Kritiker. ‚Der letzte Tag‘, ‚Altenberg‘ oder ‚Die Nixe vom Mühlenweiher‘ sind aber durchaus vorzeigbar und ergeben in dieser Form sogar richtig Sinn. Weiter so.

Zusammenfassung: Wer auf Blastbeats, Singlenotes, Breakdowns, leichte MESHUGGAH-Spielerein und ultra-tiefe Klampfen steht, Soli eh für überbewertet hält, bei deutscher Sprache nicht automatisch die Krätze bekommt und memorable Refrains nicht unbedingt braucht, sollte „Odyssey“ von MORTAL HATRED definitiv mal anchecken. Warum die Jungs jedoch für die letzten drei Songs, die sogenannte ‚Violence -Trilogy‘, extra einen zweiten Silberling pressen lassen mussten, bleibt wohl für immer ihr Geheimnis – die Songs hätten locker noch auf CD1 gepasst. Macht aber nix, dem positiven Gesamtpaket tut das gar keinen Abbruch.

Anspieltipps: Mortal Hatred, Der letzte Tag, Raindancer

Note:

8.00

Redakteur:

Chris Staubach

Like this Article? Share it!

About The Author

Leave A Response