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Eden weint im Grab – Tragikomödie aus dem Mordarchiv

Eden weint im Grab „Tragikomödien aus dem Mordarchiv“

(Winter Solitude/Einheit Produktionen/Kernkraftritter)Das Spinett spielt einen unheimlichen Lauf. Getragene Cellotöne gesellen sich hinzu. Dann fliegt die Tür auf und zu einem ebenso simplen wir wirkungsvollen Riff betritt „Der Meysterdetektiv“ C. Auguste Dupin das Mordarchiv von Alexander Paul Blake.

Schon die Eröffnungsnummer zeigt, dass EwiG auf ihrem jüngsten Werk kompakt wie nie klingen. Alles, was nicht zwingend zur stimmungsvollen Untermalung des Geschehens notwendig ist, bleibt ausgespart. Das gilt für die einleitende Poe-Adaption wie für das rabenschwarze „Lazarus und die Tücken der Einsamkeit“, das mit Wucht den Staub von den Särgen pustet. Die Stringenz der Kompositionen lässt den Texten so viel Raum, dass tatsächlich musikalische Geschichten entstehen, denen man gebannt folgt, während der Nacken mitwippt. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Melodien und schöne Harmonien haben Songs wie „Der Giftmischer (in der Kammer des Grauens)“ oder das schwer knüppelnde, jedoch mit einer frechen Orgel aufgelockerte „Der Mörder im Mond“ auch zu bieten. Karg klingen EwiG nie. Nur sehr konzentriert und insgesamt eine Ecke metallischer als zuletzt. Was wiederum eine Moritaten-Nummer im Dreivierteltakt („Michel mit dem Messer“) keineswegs ausschließt. Die Band bleibt vielschichtig und unberechenbar. „Letztes Morgenrot“ ist mit seinem Duellszenario fast düsterromantisch geraten.

„Soundtrack für den Massenmord“ schleppt sich, zu angedeutet militärischen Snarewirbeln, in die Hölle des Krieges. Dennoch steht am Ende das bislang rundeste EwiG-Album. Mordsmäßig gut!
Christoph Kutzer

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